Wissenschaftsbetrieb
Wissenschaft findet traditionell an Universitäten statt. Doch auch Akademien, Ämter, privat finanzierte Forschungsinstitute, Beratungsfirmen und die Wirtschaft finanzieren die Tätigkeit vieler Wissenschafter. Mit staatlicher Förderung stellen auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder andere Träger den Max-Planck-Instituten, der ESA, dem CERN und anderen Groß-Forschungsprojekten die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. In Österreich entsprechen der DFG die Forschungsfonds Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und FFF in der Schweiz und Frankreich die Nationalen Forschungsfonds. Andere Fonds werden z. B. von Großindustrien oder dem Europäischen Patentamt dotiert.
Neben den Wissenschaftlichen Veröffentlichungen erfolgt der Austausch mit anderen Forschern durch Fachkonferenzen, bei Kongressen der internationalen Dachverbände und scientific Unions (z. B. IUGG, COSPAR, IUPsyS, ISWA, SSRN) oder der UNO-Organisation. Auch Einladungen zu Seminaren, Institutsbesuchen, Arbeitsgruppen oder Gastprofessuren spielen eine Rolle. Von großer Bedeutung sind auch Auslandaufenthalte und internationale Forschungsprojekte.
Für die interdisziplinäre Forschung wurden in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Instituten geschaffen, in denen industrielle und universitäre Forschung zusammenwirken. Zum Teil verfügen Unternehmen aber auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen Grundlagenforschung betrieben wird.
Rechtlicher Status
Artikel 5 Abs. 3 des Grundgesetzes gewährleistet in der Bundesrepublik Deutschland den Schutz der Wissenschaftsfreiheit. Im Hochschulurteil des Bundesverfassungsgerichtes wird dabei Wissenschaft wie folgt charakterisiert:
- Der gemeinsame Oberbegriff „Wissenschaft“ bringt den engen Bezug von Forschung und Lehre zum Ausdruck. Forschung als „die geistige Tätigkeit mit dem Ziele, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen“ (Bundesbericht Forschung III BTDrucks. V/4335 S. 4) bewirkt angesichts immer neuer Fragestellungen den Fortschritt der Wissenschaft; zugleich ist sie die notwendige Voraussetzung, um den Charakter der Lehre als der wissenschaftlich fundierten Übermittlung der durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zu gewährleisten. Andererseits befruchtet das in der Lehre stattfindende wissenschaftliche Gespräch wiederum die Forschungsarbeit.
Gemäß Bundesverfassungsgericht ist folglich als wissenschaftlich anzusehen und damit geschützt:
- [...] jede wissenschaftliche Tätigkeit, d. h. auf alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist. Dies folgt unmittelbar aus der prinzipiellen Unabgeschlossenheit jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis.
Wissenschaftstheorie
Hauptartikel: Wissenschaftstheorie
Die Wissenschaftstheorie ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit den Voraussetzungen, Methoden und Zielen der Forschung und ihrer Form der Erkenntnisgewinnung beschäftigt. Die Wissenschaft arbeitet zwar von der Wissenschaftstheorie weitestgehend unabhängig, versucht jedoch, mit ihrer Hilfe Unzulänglichkeiten in der laufenden Forschung und den verwendeten Methoden aufzuklären und entsprechende Verbesserungen vorzunehmen.
Für die Forschung als die Suche nach Erkenntnis ist insbesondere die Frage nach den Methoden und Voraussetzungen der Erkenntnisgewinnung von Bedeutung. Diese Frage wird im Fach der Erkenntnistheorie behandelt. Der Empirismus von Francis Bacon war der erste Schritt in Richtung der modernen erfahrungswissenschaftlichen Methode. Die im naturwissenschaftlichen Forschungsbetrieb am weitesten verbreitete Richtung ist der methodologische Naturalismus, der die empirische Wissenschaft als Erkenntnisgewinnung durch Beobachtung und Induktion charakterisiert (Schluss von Einzelfällen auf eine allgemeine Theorie). Karl Popper stellte dem eine Methode von Versuch und Irrtum entgegen und entwickelte gleichzeitig als Abgrenzungskriterium die Falsifizierbarkeit, die in seinem Kritischen Rationalismus den empirisch-wissenschaftlichen Charakter einer Theorie ausmacht.
Neben der relativistischen Position von Paul Feyerabend, der die Abgrenzung der Wissenschaft für rein willkürlich hielt und daher für eine Trennung von Staat und Wissenschaft eintrat, waren insbesondere die wissenschaftshistorischen Ansätze von Thomas S. Kuhn und Imre Lakatos einflussreich, die eine Erkenntnistheorie anstrebten, die gleichzeitig den Verlauf der Wissenschaftsgeschichte erklären konnte. Während Kuhn Wissenschaft als irrationalen Wechsel zwischen Paradigmen in ständiger Anpassung an aktuelle Forschungsprobleme auffasste, verband Lakatos diese Sicht mit einer modifiziert von Popper übernommenen Methode zu einer der Methodologie der Forschungsprogramme.
Wissenschaftspraxis
Forschung
Hauptartikel: Forschung
Die praktische Forschung beginnt durch das Formulieren einer Forschungsfrage, die das zu lösende Forschungsproblem definiert und so ein zielgerichtetes Vorgehen ermöglicht. Forschung schreitet in kleinen Schritten voran: Das Forschungsproblem wird in mehrere, in sich geschlossene Teilprobleme zerlegt, die nacheinander oder von mehreren Forschern parallel bearbeitet werden können. Bei dem Versuch, sein Teilproblem zu lösen, steht dem Wissenschaftler prinzipiell die Wahl der Methode frei. Wesentlich ist nur, dass er durch Anwendung seiner Methode zu einer Theorie gelangt, die objektive, d.h. intersubjektive nachprüfbare Aussagen über einen allgemeinen Sachverhalt macht.
Wenn ein Teilproblem zur Zufriedenheit gelöst ist, beginnt die Phase der Veröffentlichung. Traditionell verfasst der Forscher dazu selbst ein Manuskript über die Ergebnisse seiner Arbeit. Dieses besteht aus einer systematischen Darstellung der verwendeten Quellen, der angewendeten Methoden, der durchgeführten Experimente mit vollständiger Offenlegung des Versuchsaufbaus, der beobachteten Phänomene (Messung, Interview), gegebenenfalls der statistischen Auswertung, Beschreibung der aufgestellten Theorie und die durchgeführte Überprüfung dieser Theorie. Insgesamt soll die Forschungsarbeit also möglichst lückenlos dokumentiert werden.
Sobald das Manuskript fertig aufgesetzt wurde, reicht es der Forscher an eine wissenschaftliche Fachzeitschrift zur Veröffentlichung ein. Dort entscheidet zuerst der Herausgeber, ob die Arbeit überhaupt interessant genug und thematisch passend für die Zeitschrift ist. Wenn dieses Kriterium erfüllt ist, reicht er die Arbeit für das so genannte „Peer review“ an einen Gutachter weiter. Dieser überprüft, ob die Darstellung nachvollziehbar und ohne Auslassungen ist und ob Auswertungen und Schlussfolgerungen korrekt sind. Ein Mitglied des Redaktionskomitees der Zeitschrift fungiert dabei als Mittelsmann zwischen dem Forscher und dem Gutachter. Der Forscher hat dadurch die Möglichkeit, grobe Fehler zu verbessern, bevor die Arbeit einem größeren Kreis zugänglich gemacht wird. Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, wird das Manuskript gesetzt und in der Zeitschrift abgedruckt. Die nunmehr jedermann zugänglichen Ergebnisse der Arbeit können nun weiter überprüft werden und werfen neue Forschungsfragen auf.
Der Prozess der Forschung ist begleitet vom ständigen regen Austausch unter den Wissenschaftlern des bearbeiteten Forschungsfelds. Auf Fachkonferenzen hat der Forscher die Möglichkeit, seine Lösungen zu den Forschungsproblemen, die er bearbeitet hat (oder Einblicke in seine momentanen Lösungsversuche) einem Kreis von Kollegen zugänglich zu machen und mit ihnen Meinungen, Ideen und Ratschläge auszutauschen. Zudem hat das Internet, das zu wesentlichen Teilen aus Forschungsnetzen besteht, den Austausch unter Wissenschaftlern erheblich geprägt. Während E-Mail den persönlichen Nachrichtenaustausch bereits sehr früh nahezu in Echtzeit ermöglichte, erfreuten sich auch E-Mail-Diskussionslisten zu Fachthemen großer Beliebtheit (ursprünglich ab 1986 auf LISTSERV-Basis im BITNET).